Alte Ländergrenze zwischen Preußen und dem Herzogtum Nassau
01.08.2015 in der Rhein-Zeitung, Ausgabe Altenkirchen und 11.08.2015 in der Westerwälder Zeitung

Die Gesellschaft für Heimatkunde (GfH), ein Arbeitskreis des Westerwald-Vereins, ist damit befasst, im Westerwald die ehemalige Ländergrenze zwischen dem früheren Königreich Preußen und dem Herzogtum Nassau zu erforschen.

Sie bestand von 1806 bis 1866 und die Bewohner des Westerwaldes waren in dieser Zeit hüben Nassauer und drüben Preußen. Die kulturellen Folgen der Grenze sind bis in die Gegenwart spürbar, obwohl sie heute nur noch Denkmalscharakter hat. Aber immerhin sprechen wir in diesem Zusammenhang vom längsten Denkmal des Westerwaldes: Die mit 174 Hauptsteinen (Grenzsteinen) und 1620 so genannten Läufern (Zwischensteinen) „abgesteinte“ Grenze durchschnitt den Westerwald vom Stegskopf im Norden mit dem Hauptstein Nr. 1 bis an den Rhein zwischen Horchheim und Niederlahnstein mit dem Hauptstein Nr. 174 im Süden.
Ihre Gesamtlänge betrug ca. 150 km und wurde von einer gemeinsamen Kommission des Herzogtums Nassau und des Königreiches Preußen angelegt.
Die Grenzsteinsetzung erfolgte erst im Jahre 1813. Wenige Jahre vorher, 1806, war das Herzogtum Nassau im Zuge der napoleonischen Neuordnung Europas entstanden. Im Jahre 1866 verlor die Grenze wieder ihren Rechtscharakter als Hoheitsgrenze, als Nassau von Preußen annektiert wurde.
Damit verloren die Grenzsteine aber nicht als Kleindenkmale ihre kulturelle Bedeutung und stehen seither unter Denkmalsschutz.

Wir wollen mit unserer Arbeit keineswegs „Unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben“, zumal es ihn erst ab 1871 als „Kaiser Wilhelm“ gab, als die hier beschriebene Grenze schon nicht mehr bestand und alle Westerwälder hüben wie drüben Preußen waren. Unsere Absicht ist vielmehr, die Grenzsteine als unser kulturelles Erbe zu erhalten und damit erlebbar zu machen. Die Landschaft des Westerwaldes wurde über Jahrhunderte von zahlreichen territorialen und konfessionellen Grenzen durchzogen, was letztlich unsere Kultur so entstehen ließ, wie sie ist. Sie verhinderten auf der einen Seite beispielsweise das Entstehen eines einheitlichen Dialekts, eine einheitliche Tracht und gleiches Brauchtum, trugen auf der anderen Seite aber auch zur kulturellen Vielfalt der Gegenwart bei.
Unser heutiges Anliegen ist, im Bereich der zu vermutenden Hauptsteine Nr. 40 bis 60 nach diesen zu suchen, d. h. zu lokalisieren, ihren Erhaltungszustand festzustellen und zu dokumentieren. Unsere Forschungsarbeit erfolgt ehrenamtlich in Absprache mit der Unteren Denkmalsbehörde bei der Kreisverwaltung des Westerwaldkreises. Mitglieder des AK sind: Wilfried Göbler, Reimund Haas, Manfred Holl,  Klaus Brag und Rolf Birkenbeul

Fotos
Wilfried Göbler: Links: Hauptstein Nr. 60: (KP/GOngH = Gemeinde Oberingelbach in Preußen); Bild rechts: (HN/GMNH = Gemeinde Mudenbach in Nassau)

 

GfH behält ein besonderes Denkmal im Auge
WESTERWÄLDER Zeitung Nr. 5 vom 07.01.2015, Seite 15

Historie Vor 200 Jahren prägte eine innerregionale Grenze das Leben im Westerwald - Verein setzt Arbeit fort

Westerwald. Die Gesellschaft für Heimatkunde (GfH) im Westerwald-Verein erforscht weiter die ehemalige Königlich-Preußische und Herzoglich-Nassauische
Grenze quer durch den Westerwald. Eine denkmalsrechtliche Genehmigung der Kreisverwaltung und die Zustimmung der Ortsgemeinde Maroth als Grundstückseigentümerin machten es dem Arbeitskreis Klein- und Bodendenkmale in der GfH möglich, seine Arbeit fortzusetzen. Jürgen Demuth, Wilfried Göbler, Reimund Haas und Manfred Holl haben sich der Erhaltung des Kulturgutes Landesgrenze angenommen. Der Verlauf droht aus ihrer Sicht in der Landschaft als Denkmal unterzugehen.
174 nummerierte und beschriftete Grenzsteine aus Trachyt markierten in der Zeit von 1806 bis 1866 zwischen dem Stegskopf im Norden des Westerwaldes und dem Rhein in Horchheim bei Koblenz im Süden die willkürlich quer durch den Westerwald verlaufende Landesgrenze - als Denkmal gibt es sie bis heute. Sie trug einerseits dazu bei, dass im geografischen Westerwald weder ein einheitlicher Dialekt noch überhaupt eine dem Westerwald zurechenbare einheitliche Kultur entstehen konnte. Mehr Unterschiedlichkeiten als Gemeinsamkeiten prägten bei Land und Leuten die kleinräumige Kultur im Westerwald. Was übrig blieb, ist der Landschaftsbegriff des Westerwaldes in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Andererseits beeinflusste sie diesseits und jenseits ihres Verlaufs das tägliche Leben der Vorfahren mit Auswirkungen bis in die Gegenwart, sodass sie heute als schützenswertes Kulturdenkmal anzusehen ist.

Auf beiden Seiten der Grenzen wohnten zwar Westerwälder, doch bei den Preußen hatte beispielsweise das Längenmaß „Rute" eine Länge von 3,76 Metern, während die Nassauische Rute 5 Meter in der Länge betrug und die Quadratrute somit 25 Quadratmeter in der Fläche. Auch heute bedient man sich in der Landwirtschaft noch des Flächenmaßes der Nassauischen Ruten neben Ar und Hektar, wenn man die Größe einer Wiese oder eines Ackers benennen will.
Am Marother Waldsee war der Gruppe eine Unregelmäßigkeit bei den vorhandenen Grenzsteinen aufgefallen. Anstelle des Grenzsteins mit der Nummer 83 stand dort ein Grenzstein mit der Nummer 87, der an seinem richtigen Standort an der Grenze fehlte. Ein Kartenatlas von 1834, der im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden eingesehen werden kann, gibt Auskunft über die genauen Standorte der Grenzsteine entlang der früheren Landesgrenze. Es ließ sich recherchieren, dass der ursprüngliche Grenzstein am Waldsee bei dem Bau eines Damms im Jahr 1969 abhandengekommen war oder im Damm verschüttet wurde. Hilfsweise hatte man später dafür den anderen Grenzstein aufgestellt.
Dank einer Spende des Angelvereins Waldsee Maroth und des Westerwald-Vereins gelang es, den verloren gegangenen Grenzstein Nummer 83 als Kopie bei der Firma Bell in Selters herstellen zu lassen. Nummer 87 steht jetzt wieder an ihrem richtigen Platz. (Wilfried Goebler)
 

 

GfH erforscht frühere Ländergrenze zwischen Roßbach und Oberdreis
Mitteilungsblatt der VG. Selters Nr. 36

Auch eine heute rund 250 Jahre alte Eiche diente einst als Grenzeiche

Nur noch wenigen ist die einst so bedeutsame Ländergrenze zwischen Roßbach/Westerwald und dem Nachbarort Oberdreis bekannt.
Der Roßbacher Heimatforscher Jürgen Demuth begab sich vor einiger Zeit zusammen mit Reimund Haas, Manfred Holl und Wilfried Göbler von der Gesellschaft für Heimatkunde des Westerwald-Vereins (GfH) auf historische Spurensuche, um die ehemaligen Ländergrenze zwischen dem Herzogtum Nassau und dem Königreich Preußen zu erforschen.

 
  Bild links: Grenzstein Nr. 78 des Herzogtums Nassau auf nassauischer Seite. Mitte: Grenzstein Nr. 78 des Königreiches Preußen auf preußischer Seite.

Vom Stegskopf bis zum Rhein durchschnitt sie in den Jahren 1806 bis 1866 willkürlich den Westerwald in einen nassauischen und einen preußischen Landesteil.
Noch bei den älteren Roßbachern war früher der Sprachgebrauch üblich, „ins Preußische zu gehen". Tatsächlich begab man sich nur wenige Kilometer ins benachbarte Oberdreis oder nach Dierdorf, Elgert und Puderbach. Dabei überquerten sie vom nassauischen Roßbach aus die Grüne Grenze ins Nachbarland Preußen. Aber auch heute ist von dieser Grenze durchaus noch mehr zu erkennen, als gemeinhin bekannt ist. In regelmäßigen Abständen sind im Unterholz noch verborgene oder mit Moosen überwachsene Grenzsteine zu finden, deren Nummerierungen und Beschriftungen noch lesbar sind.

In Roßbach markiert zusätzlich eine etwa 250 Jahre alte sog. Grenzeiche den Grenzverlauf zwischen den Länder-Grenzsteinen Nr. 77 und Nr. 78. Eichbäume waren in vorchristlicher Zeit „heilige Bäume" (siehe Donareiche -Bonifatius). Wegen ihrer religiösen Bedeutung wurde unter ihnen Gericht gehalten (Femeeiche). Inspiriert von der Roßbacher Grenzeiche, ihrem Standort und dem einstigen Grenzverlauf zweier Länder trafen sich hier die Genannten mit den Leitern der beiden angrenzenden Forstreviere Woldert, Herr Reiner Kühl, und Mündersbach, Herr Dieter Jung. Alle waren sich einig, den Baum zu schätzen und wegen seiner regionalgeschichtlichen Bedeutung mit einem Hinweisschild zu versehen. Demuth, Haas, Holl und Göbler haben nun vor, die gesamte nassauisch-preußische Grenze im Westerwaid zu erkunden und dabei alle Grenzsteine zu dokumentieren.
 

Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 24.08.15